Basisdemokratisches Bündnis:

Generation Praktikum

Spätestens mit dem Ende des Studiums werden die meisten von uns sich einreihen in die 'Generation Praktikum '. 56 Prozent aller HochschulabsolventInnen beginnen laut einer Studie der DGB-Jugend ihre berufliche Karriere mit einem Praktikum – Tendenz steigend. In Frankreich arbeiten JungakademikerInnen im Schnitt fünf Jahre ohne reguläres Gehalt. Gab es früher ein Betriebspraktikum während der Schule und vielleicht ein Schnupperpraktikum nach dem oder während des Studiums, so gilt es heute in vielen Branchen, zunächst mehrere Jahre Praktika abzuleisten. Angeblich um sich zu qualifizieren – tatsächlich dienen diese neuen Beschäftigungsformen aber eher der Senkung von Lohnkosten.

Das Praktikum wandelt sich von der Ausnahme- und Überbrückungsinstitution mehr und mehr zum Dauerzustand. Insider sprechen bereits von Flundermenschen und meinen damit Menschen, die von Praktikum zu Praktikum tingeln und dabei zappeln wie eine Flunder. Da diese Stellen nun aber eher mies bezahlt werden (schließlich ist Lohndumping eines der Hauptanliegen der einstellenden Unternehmen), heißt das für die Betroffenen, dass sie über Jahre hinweg wahlweise den Eltern auf der Tasche liegen oder zur Arbeitsagentur wandern dürfen. Hartz IV nach dem Ende des Studiums ist somit nicht Ausnahme, sondern Regel.

Auch inhaltlich haben sich die Praktika gewandelt. In aller Regel sind sie nicht nur verbunden mit der Übernahme von Tätigkeiten, die bislang von Festangestellten erledigt wurden, sondern auch mit Stress und Überstunden. Immer häufiger sogar schon während des Studiums, denn die meisten Bachelor-Studienordnungen sehen Praktika als Pflichtleistungen in erheblichem Umfang vor.

Was also tun? Die Idee, einen Praktikumsstreik zu initiieren, scheint zunächst nicht besonders erfolgversprechend, alleine schon deshalb, weil PraktikantInnen selten gewerkschaftlich organisiert sind. Immerhin gibt es mittlerweile mit Fairwork eine Initiative, die sich als Interessenvertretung von HochschulabsolventInnen versteht, und auf deren Situation am Arbeitsmarkt aufmerksam machen möchte. Auf deren Homepage finden sich auch Praktikumsberichte, die den Ungläubigen einen kleinen Einblick in die Realität bieten können.

Während bei RTL Nord im Hamburg zwar nichts bezahlt wird, beträgt die wöchentliche Arbeitszeit immerhin nur 45 Stunden und es gibt sogar Übernahmemöglichkeiten. Die ist bei RTL West in Köln eher seltener, dafür werden aber 200 € monatlich bezahlt – für eine Arbeitszeit von mindestens 40 Stunden allerdings. Ausnahmen wie Schering (38,6 Stunden pro Woche bei 900 € im Monat), die im Grunde selber schon fragwürdig sind, bleiben eher selten und gelten schon fast als fortschrittlich. Im Schnitt kommt die Vergütung nicht über 300 € und die Arbeitszeit nicht unter 40 Stunden. Und nicht selten werden volle Stellen durch PraktikantInnen ersetzt.

Die Möglichkeiten, die die Kampagne Fairwork bietet, sind sicherlich begrenzt, aber trotz allem bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Also nutzt die Seite, unterstützt die Kampagne, organisiert Euch und helft anderen, die Fehler zu vermeiden, die ihr vielleicht gemacht habt.


Dieser Artikel ist abrufbar unter: //archiv.bb-goettingen.de/1005