Basisdemokratisches Bündnis:

Wir sind alle unpolitisch?!?

Über Burschen und die ADF

Auf der letzten StuPa-Sitzung am 14.04.05 waren unter anderem auch zwei Finanzrevisorenposten neu zu besetzen, die für das Parlament den AStA-Haushalt zu überprüfen haben. Eine unverdächtige Gelegenheit für die ADF-RCDS-Koalition endlich das zu tun, was Kritikerinnen schon lange befürchtet hatten: sie wählten mit Markus Guth ein Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft „Holzminda“ in ein Amt der studentischen Selbstverwaltung. Ist ja auch kein Problem, schließlich sind Burschenschaften nach Ansicht der ADF nichts als „eine studentische Wohnform“ und somit „die Privatangelegenheit der Studenten“, so Daniel Flore, Ex-AStA-Vorsitzender, auf der konstituierenden Sitzung vor zwei Monaten.

Bei seiner Vorstellung zu den SS-verharmlosenden Aussagen des Ex-KSK-Generals Günzel befragt, der unlängst von der Burschenschaft Holzminda zu einem Vortrag über „Das Ethos des Offiziers“ eingeladen wurde, verweigerte Markus Guth jede Aussage. Er verzichtete also auch auf jede Form der Distanzierung. Das scheint auch nicht verwunderlich, schaut Mensch sich einmal die Zielsetzung der schlagenden Burschenschaft Holzminda an. Diese fordert von ihren Mitgliedern unter anderem den „ständigen Einsatz für die Freiheit und Einheit Deutschlands unter abendländisch-europäischer Zielsetzung zusammen mit allen gleichgesinnten Kreisen, jedoch unter Ablehnung gemeinschaftlicher Betätigung und Festlegung in parteipolitischer Hinsicht. Außerdem soll die Weckung des Verständnisses für die Belange des Grenz- und Auslandsdeutschtums und Betätigung auf diesem Gebiet erstrebt werden.“

Das ganze ist nicht neu und sollte eigentlich auch bekannt sein. Zu diesem Zweck bringen viele Asten immer wieder Reader zu studentischen Verbindungen und Burschenschaften heraus, um deren Ziele und politische Gesinnung transparent zu machen. So finden immer wieder unter dem Motto „Ehre - Freiheit - Vaterland“ des Dachverbands „Deutschen Burschenschaft“ geschichtsrevisionistische Vorträge, Sexismus und Rassismus fördernde „Bildungsveranstaltungen“ und Feste statt, wo man sich „für die freie Entfaltung deutschen Volkstums in enger Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes, unabhängig von staatlichen Grenzen“ ausspricht.

Doch solche Informationen sollen den Göttinger Studierenden anscheinend nicht gegeben werden. An diesem Beispiel wird dann auch die Zwiespältigkeit deutlich, wenn die ADF jeden sozialen oder gesellschaftlichen Bezug, die Zusammenarbeit mit Antifaschisten sowieso ablehnt, gleichzeitig jedoch mit Burschenschaftlern Hand in Hand geht und diese in studentische Posten wählt. Was Mensch vor diesem Hintergrund von der oft genannten ADF-Phrase, sie sei unpolitisch zu halten hat, möge jede und jeder selbst entscheiden.


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