Basisdemokratisches Bündnis:

Antifee-Festival

am 5. & 6. Juni 2009

Das Antifee-Festival soll ein sicht- und hörbares Signal gegen die sexistischen und nationalistischen Tendenzen sein, die sich in der Gesellschaft zunehmend breit machen. Es soll ein Raum geschaffen werden, der möglichst frei von diesen und anderen Herrschaftsmechanismen ist. Dazu sollen politische Inhalte musikalisch und in Form von Workshops und Vorträgen vermittelt werden.

Für ein Festival ohne Sexismus und Mackerattitüde!

Patriarchiale und sexistische Strukturen in der Gesellschaft verhindern das Engagement von Frauen, Schwulen, Lesben und Transgender in unterschiedlichsten Zusammenhängen. Selten gibt es ein Festival, welches nicht männlich dominiert ist, sei es von den Organisator*Innen, Bands oder auch Besucher*Innen - ob Typen die Bühne aufbauen und die Security stellen, während Frauen Getränke verkaufen und die Klos putzen oder betrunkene Männer sich in Dominanzverhalten üben und Frauen in Rockbands höchstens als Sängerinnen auftreten. Wir haben uns vorgenommen, dieser Realität entgegen zu treten. Daher sollen möglichst viele Frauen/ queere Bands auf der Bühne stehen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Workshops und Vorträge, in denen u.a. solche patriarchalen Strukturen thematisiert, diskutiert und kritisiert werden.

Unser Anspruch ist es, einen antisexistischen Freiraum zu schaffen. Darunter verstehen wir auch, durch ein Kinderprogramm Eltern die Möglichkeit zu geben, am Festival teilzunehmen. Alle sollen sich wohlfühlen. Männlich-dominantes Verhalten, Übergriffe und Rumprollerei wollen wir deshalb nicht tolerieren. Daher gilt auf dem gesamten Festivalgelände Definitionsmacht. Wir wollen einen solidarischen, respektvollen Umgang miteinander, bei dem jede Person ihre Grenzen selbst definiert und die Grenzen anderer anerkennt, der Freiheiten eröffnet und bei dem Grenzüberschreitungen keinen Platz haben. Spaß haben? Ja, aber eben nicht mittels der Einschränkung anderer Menschen. Für die Durchsetzung dieses Freiraumes gibt es eine antisexistische Ansprechgruppe, bei der Betroffene sich melden, Hilfe erhalten und sich zurückziehen können. Weitere Infos hierzu findet ihr in der Festival-Broschüre oder Flyern vor Ort.

Nationalismus in den Rücken feiern!

Nicht nur patriarchales Verhalten grenzt viele Menschen aus: auch Nationalismus ist ausschließend. In Deutschland konnte er lange nicht offen zur Schau gestellt werden. Das wurde aber spätestens mit der Männerfußball-WM 2006 aufgebrochen – seitdem ist zu jedem Anlass schwarz-rot-goldenes Flaggenschwenken kein Problem mehr. In diesem Jahr soll unter dem Schwarz-Rot-Goldenem Banner 90 Jahre deutsche Demokratie bejubelt werden – wobei dann selbstverständlich über ,12 dunkle Jahre’ das Tuch des Schweigens gelegt wird. Gerade der deutschen Nation liegt aber der Gedanke einer vermeintlichen „Volksgemeinschaft“ zugrunde, die sich über eine gemeinsame Abstammung, Sprache und Kultur definiert. Der Nation sollen sich die Einzelnen unterordnen, um der Gemeinschaft einen Dienst zu erweisen. Eine solche abstrakte Konstruktion von Gemeinschaft tut so, als wären alle Menschen, die unter sie gefasst werden, gleich und alle anderen seien anders. Nur weil sie zufällig auf der ,einen oder anderen Seite’ irgendwelcher Staatsgrenzen geboren wurden, sind sie noch lange nicht auf eine so absurde Kategorie wie Nationalität reduzierbar. Dabei fallen die vielen Unterschiede zwischen vermeintlichen Deutschen unter den Tisch. Wenn die Nation der angeblich relevante Bezugspunkt ist, wieso verdienen dann Frauen meist immer noch weniger als Männer, sind nicht heterosexuelle Lebensgemeinschaften rechtlich benachteiligt?

Auf dem Antifee sollen diese und andere Herrschaftsmechanismen keinen Raum bekommen. Nationalismus bzw. nationale Symbole haben deshalb auf dem Festival nichts zu suchen - es soll keinen positiven Bezug auf das Konzept der Nation geben. Es ist ausschließend und wir wollen, dass alle Menschen sich auf dem Festival wohl fühlen können. Menschen, die das nicht einsehen wollen oder andere Menschen einschränken, werden wir nicht tolerieren.

1,2,3 ganz viele Antifees!

In den letzten beiden Jahren ist es gelungen, ein Festival zu organisieren, das politische Kultur mit Gesellschaftskritik und mit Formen selbstbestimmten Zusammenlebens verbindet - umsonst und draußen. Wir wollen das Festival zu einem festen Bestandteil der Stadtkultur machen. Dabei versuchen wir, auf Kritik, die nach den letzten Antifees geäußert wurde, einzugehen und neue Sachen auszuprobieren.

In diesem Sinne:

Gegen Sexismus und Nationalismus! Feiern wir für ein selbstbestimmtes Leben!


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