Basisdemokratisches Bündnis:

„Wir sind bereit, notfalls einen Streik durchzuziehen.“

Der Vorstand des Uni-Klinikums Göttingen plant die Ausgründung der Gastronomie, um Lohnkosten einzusparen (siehe BB-Zeitung #18 „Zoff am Klinikum“). Gegen diese Pläne regt sich Widerstand unter den Beschäftigten. Wir haben mit zwei aktiven Gewerkschafterinnen aus der Zentralküche über die laufende Auseinandersetzung gesprochen.

Wie begründet der Vorstand die geplante Ausgründung des Gastronomiebereichs?

Er begründet es damit, dass das gesamte Klinikum hoch verschuldet ist und Geld gespart werden müsste. Dies selbstverständlich bei uns, bei den unteren Lohngruppen. Er behauptet auch, dass es keine 30% weniger Lohn werden würden. Und dass wir uns im Prinzip keine Sorgen machen müssten.

Inwieweit wurdet Ihr über den Stand der Planungen informiert?

Es war relativ spät. Wir haben es Mitte September nur durch Zufall erfahren: Durch ein Personalratsmitglied, der es nicht mehr mit sich vereinbaren konnte und nicht mehr für sich behalten wollte, dass sie mit uns so etwas vorhaben. Dann gab es eine Teilpersonalversammlung und ca. eine Woche später so etwas wie eine Dienstbesprechung, wo der Vorstand uns eigentlich nur beruhigen wollte. Aber eigentlich waren das keine Infos, wie es weiter geht mit unseren Arbeitsverträgen und mit unserem Geld, was für uns alle ja die Hauptsache ist. Sie haben uns gesagt, dass das erst verhandelt werden muss und dass noch Sitzungen stattfinden sollen.

Was würden die Pläne des Vorstandes für Euch persönlich bedeuten?

Ich kann meine Miete nicht mehr zahlen ohne zum Beispiel Wohngeld zu beziehen. Deine Miete wird ja auch nicht um 30% weniger. Stell dir vor, du hast Kinder, du musst Schulbücher kaufen und zusätzlich die ganze Kinderkleidung, das ist alles teuer. Dann musst du zum Amt für ergänzende Sozialleistungen. Das kann nicht sein. Jemand, der 8 Stunden am Tag arbeitet, muss von seinem Lohn leben können und nicht noch einen Nebenjob annehmen müssen. Und nicht jeder kann einen Nebenjob annehmen. Manche von uns können das aus gesundheitlichen oder familiären Gründen gar nicht. Wenn ich mir das vorstelle: Ich komme jetzt nach Hause, und mein Kind kommt auch nach Hause, und ich sage dann, „Tschüss, ich muss jetzt noch arbeiten gehen. Sieh zu, dass du um achte im Bett liegst“ - so kann es doch nicht sein!

Was habt Ihr bisher gemacht, um Euch gegen diese Verschlechterungen zu wehren?

Einige von uns sind neu in die Gewerkschaft eingetreten. Wir haben protestiert, wir haben versucht, noch andere Bereiche zu motivieren, aktiv zu werden und uns zu unterstützen. Wir haben eine Petition bei Frau Schulte aus dem Vorstand vorgetragen und ihr die Unterschriften von unseren Kollegen aus der gesamten Gastronomie übereicht. Und einige Kollegen haben dabei versucht, ihre Ängste Frau Schulte darzulegen. Außerdem haben wir mit Patrick Humke-Focks1 gesprochen: Wir haben ihm unsere Situation geschildert und gefragt, ob er uns unterstützen könnte. Die Parteien SPD, Linke und Grüne im Rat Göttingen haben uns auch signalisiert, uns zu unterstützen und eine Resolution im Stadtrat gegen die Vorstandspläne zu verabschieden.2 Eine Kollegin hat dann selbst im Stadtrat auf der Sitzung gesprochen und vorgetragen, was die Ausgründung für sie und für uns persönlich bedeutet. Davor gab es eine Kundgebung von Kollegen aus dem Uniklinikums Göttingen und es gab viele, die sich mit uns solidarisch erklärt haben.

Was sind Eure konkreten Forderungen?

Dass wir vernünftige Tarifverträge haben, am besten unsere alten. Wir fordern, dass die Ausgründung nicht stattfindet. Wir möchten weiter zur UMG dazugehören und nicht ausgegründet werden. Wir werden behandelt wie ein Aussätziger, der vors Stadttor gebracht wird. Die anderen sind Uni und wir sind außen vor. Wir möchten menschlich behandelt werden, nicht wie eine Nummer.

Wie hat der Vorstand auf Eure Forderungen und auf Eure Aktivitäten reagiert?

Die Resolution war ja am Freitag im Rathaus und gleich am Montag hat der Vorstand einen Artikel im Göttinger Tageblatt gehabt. Ich hatte richtig Wut, weil am Freitag richtig gute Stimmung gewesen ist und gleich am Montag in der Zeitung zu lesen war, dass der Vorstand erstaunt sei: Die Dinge seien nicht so, wie wir sie dargestellt haben, und die 30% weniger Gehalt würden nicht stimmen. Man wolle uns „eingliedern“ in die UMG Gastronomie GmbH. Aber wenn wir eingegliedert werden sollen, dann müssen wir erst einmal ausgegliedert - also ausgesetzt - werden. Ich war immer ein Teil des großen Ganzen und hatte das Gefühl, zum Inventar zu gehören. Und jetzt soll ich nicht mehr dazugehören? die Ausgründung zu verzögern und damit für Unsicherheit unter den KollegInnen zu sorgen.

Wie steht Ihr zu diesen Vorwürfen, und wie werden sie unter den KollegInnen diskutiert?

Für die Unsicherheit sorgt zuerst einmal der Vorstand. Der Vorstand verzögert das Ganze. Es sind nicht unsere Verzögerungen oder die durch ver.di. Das Klinikum hätte eigentlich vor sechs Jahren einen Arbeitgeberverband gründen müssen, was bis heute nicht geschehen ist. Somit sind von ver.di keine Tarifverhandlungen möglich. Der Vorstand muss seine Kiste erst einmal in Ordnung bringen. Das sind schon sechs Jahre, in denen das noch nicht geschehen ist. Aber der Vorstand wollte hausinterne Tarifverträge machen, so etwas geht nicht.

Was ist von Eurer Seite in nächster Zeit geplant?

Das wird unter uns in der nächsten Zeit verhandelt. Wir werden aufs Äußerste gehen. Wir versuchen, alles Mögliche möglich zu machen, und sind bereit, notfalls einen Streik durchzuziehen. Wir geben nicht auf. Wir kämpfen um unsere alten Arbeitsverträge.

Welche Unterstützung wünscht Ihr Euch von den anderen Beschäftigten am Uniklinikum oder UnterstützerInnen außerhalb des Klinikums?

Dass sie uns alle unterstützen bei dieser Sache, weil sie die nächsten sein können, dass muss ihnen klar sein. Also krempeln wir die Ärmel auf und weiter geht der Kampf.


1) Mitglied des Landtages Niedersachsen und Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Göttingen von DER LINKEN.

2) Diese Resolution wurde vom Stadtrat am 5.12.08 gegen die Stimmen von CDU und FDP angenommen.


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