Basisdemokratisches Bündnis:

Bachelor - Master of Disaster

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Die Probleme bei der Einführung des Lehramts-Bachelor bestätigen die meisten Vorbehalte. Ein Blick auf das, was auf uns zukommt:

Die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Wirklichkeit könnte kaum größer sein, als bei der aktuellen Einführung des Bachelors. Mehr Interdisziplinarität sollte er fördern. Die Mobilität der Studierenden erhöhen, und das Studium effizienter gestalten. Zumindest der letzte Punkt war ja ohnehin ein fragwürdiges Unterfangen. Stellt sich doch die Frage, wie diese Effizienz bestimmt werden sollte. Sicherlich gibt es viele Möglichkeiten, die Lerneffizienz zu steigern. Z.B. durch gute Personal- und Materialausstattung, durch gut bestückte Bibliotheken uvm. Wenn jedoch „Effizienzsteigerung” durch die Veränderung der Lehrstruktur bei sinkender finanzieller Ausstattung auf dem Programm steht, ist Vorsicht angesagt. Wir sollten uns fragen, was damit gemeint ist. Das wird deutlich, wenn man die Strukturveränderungen etwas genauer unter die Lupe nimmt.

Schlechtere Bedingungen + schneller Studieren = Zwang

Ein Beispiel wie dieser Zwang zukünftig aussehen wird, bieten die Wirtschaftswissenschaften.

In der BWL wird zukünftig drei mal gesiebt: nach dem 3ten, dem 5ten und nach dem 9ten Semester. Wer zu diesen Daten nicht eine bestimmte Anzahl von Scheinen nachweisen kann ist raus aus dem Rennen – er oder sie wird exmatrikuliert! Damit legen die WiWis zwar am restriktivsten vor, aber ähnliche Regelungen sind in anderen Fakultäten auch zu erwarten.

Dies ist insbesondere deshalb dreist, weil es ebenfalls die Struktur des Bachelor ist, die die Studierenden von einem schnellen Studium abhält (von einem selbst bestimmten ganz zu schweigen). Denn durch die starren Vorgaben der Studienstruktur können die Studierenden nicht mehr mit der bisherigen Flexibilität ihre Stundenpläne gestalten. Durch die klare Abfolge von Pflichtveranstaltungen kommt es zu massiven Überschneidungen.

Nun sind die Veranstaltungen im Bachelor aber häufiger auf mehrere Semester angelegt (meist zwei), oder werden nur alle zwei Semester angeboten. Wenn eine Veranstaltung in einem Semester verpasst wurde, kann diese folglich erst in einem Jahr nachgeholt werden. Die Uni kann so real das Studium unterschiedlicher Fächerkombinationen nicht mehr garantieren, die sie aber trotzdem anbietet. Die einzelnen Fächer stehen diesem bürokratischen Projekt ebenfalls recht hilflos gegenüber. Und so werden sich die Studierenden wohl daran gewöhnen müssen, dass die Uni ihnen ein ordnungsgemäßes Studium nicht garantieren kann und ihnen leider mitgeteilt werden muss, dass „da es eine große Zahl von Fächerkombinationen und Modulen gibt, [..] es nicht möglich [ist], Überschneidungen generell zu vermeiden.” (Antwort auf eine Anfrage wegen Seminarüberschneidungen) Denn - so die Antwort weiter - Versuche, derartige Überschneidungen zu vermeiden, werden ohnehin nur für die „gängigsten Fächerkombinationen” gemacht, „zu denen” die Kombination des fragenden Studierenden „allerdings nicht gehört”. Es wäre verfehlt für solche Probleme die Seminare zu kritisieren, von denen man solche Informationen erhält. Zu kritisieren ist die irrationale Studienstruktur des Bachelor, die es den Seminaren unmöglich macht, anständig zu planen.

Die bürokratische Problemlösung

Die Universität plant wegen dieser Probleme, einen sog. „scheduler” einzurichten. Also einen Stundenplanmacher der garantieren soll, dass alle Kombinationen, die angeboten werden, auch studierbar sind. Von diesem scheduler ist bisher keine Spur zu sehen. Doch selbst wenn er seine Arbeit eines Tages aufnimmt, ist es fraglich, ob die Aufgabe, die ihm gestellt wird überhaupt zu bewältigen ist. Denn das Problem, dass die starre Studienordnung keine flexible Zeitplanung mehr zulässt, kann der scheduler nicht aus der Welt schaffen, sondern lediglich mehr schlecht als recht verwalten. In jedem Fall wird dies dazu führen, das das Studium weiter verschult wird – mit Nachteilen für Lehrende und Lernende. Denn wenn der scheduler zukünftig Stundenpläne vergibt, können die Lehrenden sich ihre Zeit zum Forschen nicht mehr frei einteilen und die Studierenden können sich getrost an die gute alte Schulzeit zurück erinnert fühlen, wo sie am ersten Tag einen Stundenplan ausgehändigt bekommen haben. Wie vor diesem Hintergrund z.B. Studium und Nebenjob vereinbar sein sollen, interessiert die Verantwortlichen offensichtlich wenig.

Interdisziplinarität?

Ein weiteres Schlagwort ohne viel Substanz ist die sog. Interdisziplinarität. Da der Bachelor nun einen sog. Optionalbereich enthält, in dem die Studierenden Kurse frei belegen können, soll es angeblich möglich sein, über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus zu schauen. An der Philosophischen Fakultät, die wegen ihrer vielen Lehramtsfächer bereits jetzt ausgeprägte Erfahrungen mit dem BA sammeln konnte, stellt sich nun heraus, dass diese Offenheit einige Haken hat.

Für viele Fächer an der Philosophischen Fakultät brauchte man bisher ein großes oder kleines Latinum. Wer noch keines besaß konnte es in einem sog. nullten Semester nachholen. Diese Möglichkeit entfällt nun, weil die starren Studienstrukturen ein nulltes Semester nicht mehr zulassen. Zunächst wurde überlegt, dass zukünftig die BA-Studierenden ihren Optionalbereich mit diesem Latinum füllen müssen. Für die LehrämtlerInnen entfällt diese Option jedoch, weil ihr Optionalbereich so klein ist, dass das Latinum mit seinem Arbeitsaufwand dort keinen Platz finden würde.

Das allein sagt schon einiges über die Möglichkeiten aus, über den Fachtellerrand hinaus zu schauen. Die Lösung wird nun vermutlich auf einen zusätzlichen Kurs hinaus laufen, für den es wahrscheinlich nicht einmal Leistungspunkte gibt und der zum Teil in der vorlesungsfreien Zeit zu absolvieren ist. Das ist nötig, weil neben dem normalen Studium, für das im Bachelor 40 Wochenstunden Arbeitsaufwand eingeplant werden, keine Zeit für einen zusätzlichen Kurs in der Vorlesungszeit sein wird. So sieht gelebte Interdisziplinarität aus.

Fazit

Alles in allem zeigt sich nach den ersten Erfahrungen mit dem Bachelor noch deutlicher als vor der Einführung: der Bachelor wird die Qualität der Lehre verschlechtern. Weder für die Dozierenden noch für die Studierenden hält er entscheidende Vorteile bereit, so dass die Wissenschaftsfeindlichkeit, die diese neue Studienstruktur aufweist, alles andere überwiegt.

Meldet Euch deshalb, wenn ihr Probleme habt, bei Euren Fachschaften. Ihr werdet zwar immer auch individuelle Lösungswege suchen müssen, aber die Probleme, die sich für Euch auftun, müssen in die Debatte um die Zukunft dieser Studienstruktur eingebracht werden, weil so der nötige Druck entsteht, um Freiheiten erkämpfen zu können. Außerdem zeigen diese Probleme am deutlichsten, dass der Bachelor am besten reformiert wird, indem er abgeschafft wird.


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